Bundesweiter Aktionstag "Versorgungsblackout" am 17.12.
Die derzeit vorliegenden Entwürfe zur Apothekenreform der Bundesregierung verfehlen nach Bewertung der Apothekerschaft zentrale Ziele: Weder wird die wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken erreicht noch die flächendeckende Versorgung nachhaltig gesichert. Insbesondere fehlt weiterhin eine Anpassung des staatlich festgelegten Apothekenhonorars, obwohl diese im Koalitionsvertrag ausdrücklich zugesagt wurde.
Seit 13 Jahren ist das sogenannte Fixum unverändert. Im gleichen Zeitraum sind die Kosten für Personal, Energie, Mieten, Digitalisierung sowie für gesetzliche und dokumentarische Anforderungen im Zuge der Inflation um durchschnittlich rund 65 Prozent gestiegen. Ein Ausgleich dieser Kostenentwicklung ist bislang ausgeblieben.
„Die wirtschaftliche Realität in den Apotheken hat sich massiv verändert – die Honorierung aber nicht“, erklärt Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes.
„Seit 13 Jahren arbeiten Apotheken mit einem eingefrorenen Honorar, während die Kosten kontinuierlich steigen. Das schwächt nicht nur die einzelnen Apotheken, sondern zunehmend auch die Versorgung insgesamt.“
Die im Koalitionsvertrag zugesagte Anhebung des Honorars war ausdrücklich als Soforthilfe gedacht, um das Apothekensterben kurzfristig zu bremsen und den Betrieben Stabilität zu geben. Diese Soforthilfe ist bislang nicht umgesetzt worden.
Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar: Die Zahl der Apotheken sinkt bundesweit, insbesondere aber auch in Thüringen seit Jahren dramatisch, während sich der Versorgungsbedarf gleichzeitig erhöht. Vor allem der Anteil älterer Menschen wächst kontinuierlich – und mit ihm der Bedarf an Beratung, Therapieüberwachung, Rezepturen sowie an Nacht- und Notdiensten. In den vergangenen zehn Jahren hat Thüringen mehr als 80 Apotheken verloren – jede siebte Apotheke musste schließen.
Apothekerinnen, Apotheker und ihre Teams sichern in den Apotheken vor Ort jedoch weit mehr als eine unmittelbare, niedrigschwellige Gesundheitsversorgung mit heilberuflicher Expertise und Verantwortung. Angesichts des demografischen Wandels wächst ihre vom Gesetzgeber zugedachte Bedeutung stetig – insbesondere bei komplexen Arzneimitteltherapien, in der Gesundheitsprävention und in der Früherkennung von Erkrankungen. Vollversorgende Apotheken vor Ort sind unverzichtbar für die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung – und in Krisenzeiten schlicht unersetzlich.
Apotheken übernehmen damit eine Verantwortung, die weit über wirtschaftliche Erwägungen hinausgeht. Sie sichern die Arzneimittelversorgung dauerhaft und verlässlich – auch in Krisenzeiten, in Pandemien oder in Phasen internationaler Konflikte.
„Apotheken sind Teil der vom Staat garantierten Daseinsvorsorge“, betont Fink.
„Sie bleiben auch dann verlässlich vor Ort, wenn Lieferketten gestört sind oder Unsicherheit herrscht. Andere Marktakteure können ihr Engagement jederzeit verändern oder beenden – Apotheken können, dürfen und wollen das nicht.“
Der Aktionstag ist bewusst so gestaltet, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht eingeschränkt wird. Mit symbolischen Maßnahmen wie einer zeitweisen Reduzierung der Beleuchtung und mit Informationsmaterialien machen die Apotheken jedoch sichtbar, wie verletzlich die Versorgung wird, wenn diese Struktur weiter geschwächt wird.
„Der Versorgungsblackout ist ein verantwortungsvolles Warnsignal“, sagt Fink abschließend.
„Versorgungssicherheit und Flächendeckung im Gesundheitssystem entstehen nicht von selbst. Sie braucht stabile Apotheken vor Ort – und dafür jetzt verlässliche politische Entscheidungen.“
Weitere Informationen zur Aktion finden Sie unter: https://www.gesundheitsichern.de/
Informationen aus der ABDA-Pressekonferenz vom 16.12. finden Sie hier: https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/pressemitteilungen/detail/online-pressekonferenz-versorgungsblackout/
ThAV - Thüringer Apothekerverband e.V.
Thälmannstraße 6, 99085 Erfurt
Telefon: 0361/ 244 08-70
Telefax: 0361/ 244 08-98
V.i.S.d.P.: Stefan Fink, Classic-Apotheke Weimar

